Übergang zum Gymnasium
In allen Schulen erreichen im vierten Schuljahr in der Regel 80% bis 100% der Schüler eine Bildungsempfehlung für den Übergang zum Gymnasium, wobei dieser Aussage die bisherige Sächsische Übergangsregelung mit einem Leistungsdurchschnitt von 2,0 in Mathematik und Deutsch zugrunde gelegt wurde. Dieses Ergebnis ist unabhängig von sozialstrukturellen Unterschieden der Elternhäuser. Die Schulen gleichen in der Regel unterschiedliche soziale Positionen der Elternhäuser aus. Damit erhalten in allen Schulen signifikant mehr Kinder eine Gymnasialempfehlung als in vergleichbaren staatlichen Schulen der Städte, in denen es BIP Kreativitätsschulen gibt.
Wie schon im vorangehenden Forschungsprojekt gelingt es also auch in den BIP Kreativitätsgrundschulen, den Erwerb der Bildungsempfehlung für den künftigen Gymnasienbesuch von der Sozialstruktur der Elternhäuser zu entkoppeln. Aus unserer Sicht ist dies eine direkte Auswirkung der Umsetzung des BIP Kreativitätskonzepts im ganztägigen Unterricht. Wenn die Schule qualitativ gut und in Übereinstimmung mit Elternhäusern, die an einer positiven Bildungsentwicklung ihres Kindes interessiert sind, tätig wird, dann können die kognitiven Anforderungen, die ein Gymnasium stellt, von allen geistig gesunden Kindern (ohne kognitive Teilleistungsstörungen oder anderweitige geistige Behinderungen) erfüllt werden. Und im Unterschied zu vielen staatlichen Schulen gelang und gelingt es, auch jenen Kindern die Freude am Lernen und Leisten und auf einen künftigen Gymnasienbesuch zu vermitteln, die vom Elternhaus nicht eine entsprechende Unterstützung für diesen Bildungsweg erhalten.
Entwicklungsvorsprung in allen Bereichen
BIP Kreativitätsgrundschüler sind in allen geförderten Bereichen anderen Gleichaltrigen in ihrer Gesamtheit überlegen. Besondere Begabungen werden frühzeitig entdeckt, entwickelt und gefördert. Das durchschnittliche Niveau liegt sehr hoch: So können alle Kinder im 4. Schuljahr sich am Computer sicher bewegen, unter Zuhilfenahme des Internets produktiv arbeiten, alle Schüler spielen überdurchschnittlich gut Schach. Ihre musikalischen, darstellerischen, bildnerischen, tänzerischen Fähigkeiten sind überdurchschnittlich hoch entwickelt, ihre sprachlichen Fähigkeiten sind vergleichbaren ungeförderten Kindern deutlich überlegen. Dies zeigt sich im Sprechen, Argumentieren, Verstehen literarischer Werke, in der eigenen literarischen Produktion, im "Ausdenken von Geschichten" und an den Ergebnissen aller Wettbewerbe, an den sich die Kinder der BIP Kreativitätsschulen beteiligen.
In allen Bereichen erzielten zudem einzelne dieser Kinder überdurchschnittliche Leistungen, die aufgrund der frühen Förderung und vor allem aufgrund der Tatsache erbracht wurden, dass diese Kinder in Bereichen tätig wurden, die ihnen ohne entsprechende Förderung fremd geblieben wären oder in denen sie in der Regel kaum zu kreativen Produktionen gelangen, weil insbesondere auch die Kontinuität und die Langfristigkeit in der Ausbildung fehlen.
Intelligenz
Ihre Leistungen in Intelligenztests (Progressive Matrizen von Raven, Erwachsenenform) und in Kreativitätstests (Test von Urban & Jellen) sind deutlich überdurchschnittlich. Bei den Kreativitätstestergebnissen entsprach dieses Ergebnis unseren Erwartungen. Die Intelligenztestergebnisse entsprachen zu Forschungsbeginn in der vorausgegangenen Forschung den Testergebnissen der Normwerte für ihr Alter und denen von Parallelgruppen (Kontrollgruppen). In allen nachfolgenden Testuntersuchungen sind sie Altersgleichen deutlich überlegen. Dieses Ergebnis kann nicht allein auf die wöchentlich im Wechsel eine Stunde Schach und eine Stunde Informatik zurückgeführt werden, auch hier ist die Interpretation wohl in der Transferwirkung insgesamt zu sehen.
Persönlichkeit
Die Kinder der BIP Kreativitätsgrundschulen wirken in ihrer gesamten Persönlichkeitsentwicklung reifer als Gleichaltrige. So haben sie klarer ausgeprägte Lebensziele als Gleichaltrige, konkretere und realistischere Vorstellungen über ihr späteres Leben. Sie sind stärker belastbar als andere und zu erheblicher und lang anhaltender konzentrierter Tätigkeit fähig. Sie verhalten sich vielfach verantwortungsbewusster, gehen mit ihrer Zeit bewusster um, nutzen einen größeren Teil ihrer Zeit "abrechenbarer" (d.h. sie wissen häufiger, was sie mit ihrer Zeit angefangen haben). Sie nutzen ihre Zeit deutlich aktiver im Vergleich zu Gleichaltrigen, die ihre Zeit stärker für passive Tätigkeiten nutzen.
Begabung
Unsere Schüler weisen in ihrer Gesamtheit jene Merkmale von besonders begabten Kindern auf, die man in Literaturberichten über besonders begabte Kinder findet, die sich gesund entwickeln - im Unterschied zu denen, die zu hochbegabten Minderleistern werden. Dazu gehört, dass die Kinder in ihrem gesamten Verhalten auffallend aktiver sind, dass sie bereits im Kindergarten sich aktiv Unterforderungen widersetzten, dass sie stärker eigene Interessen nach bestimmten fordernden Beschäftigungen durchsetzten, dass sie weniger unter Langeweile litten, dass sie sich aktiv Beschäftigungen selbst suchten, dass sie höhere Tätigkeitsanforderungen an die Familien stellten (Museumsbesuche, Zoobesuche, Theaterbesuche etc. - sie werden in der Terminologie der Eltern vielfach zu "Wochenendbestimmern"). Sie besitzen mehr Hobbys, üben diese aktiver aus, widmen ihnen mehr Zeit, sie beziehen stärker andere Personen aus ihrem Umfeld mit ein, überfordern zum Teil auch ihre Eltern. Auffällig ist das veränderte soziale Verhalten. Sie sind toleranter im Umgang mit Mitmenschen. Abweichendes Verhalten in den Klassen - so zum Beispiel das oft typische Verhalten eines Hochbegabten - wird akzeptiert bzw. nicht negativ sanktioniert. Der Umgang ist deutlich liebevoller untereinander. Auseinandersetzungen in den Klassen werden in der Regel verbal ausgetragen: das übliche Schubsen, Aufeinandereinschlagen, Puffen, Knuffen ist deutlich reduziert. Erscheinungen von Aggression auch gegenüber Erwachsenen sind ebenfalls deutlich reduziert bzw. sehr selten.